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Was Sie zu Tarifverhandlungen wissen sollten – Teil 1

Tarifverhandlungen sorgen in den Medien und der Öffentlichkeit immer wieder für Aufsehen. Häufig gehen die Verhandlungen mit Streiks einher, die gerade von Außenstehenden mit gemischten Gefühlen betrachtet werden, weil sie nicht selten jede Menge Chaos verursachen.

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Was sind Tarifverhandlungen?

Tarifverhandlungen bezeichnen Verhandlungen, die zwischen der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmervertretung einer Branche oder eines Unternehmens erfolgen. Üblicherweise finden sie zwischen dem Arbeitgeberverband und der Gewerkschaft statt. Das Ziel der Tarifverhandlungen ist es, für ein bestimmtes Gebiet einen sogenannten Flächentarifvertrag zu entwickeln. Dieser soll in einer Branche oder einem Unternehmen eine einheitliche Entlohnung der Mitarbeiter gewährleisten.

Des Weiteren sollen durch einen Flächentarifvertrag die einheitlichen Arbeitsbedingungen für alle Arbeitnehmer garantiert werden. Grundsätzlich erfolgt bei Tarifverhandlungen kein Eingriff durch den Staat (Tarifautonomie). Diese genießen sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgebervertretungen, die in den Verhandlungen Einfluss nehmen.

Der Einfluss der Gesetze

Tarifverhandlungen müssen selbstredend auf einzelne Gesetze Rücksicht nehmen. Die Gesetze sind jedoch ausschließlich Orientierungsdaten, durch die verschiedenste Mindestnormen bei einzelnen Arbeitsverhältnissen geregelt werden. Schon seit langem diskutiert die deutsche Bundesregierung über Mindestlöhne. Experten rechnen damit, dass die Einführung der Mindestlöhne auch auf die Tarifverhandlungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden Einfluss nehmen könnte.

In der Wirtschaft werden Tarifverhandlungen grundsätzlich auf regionaler Ebene ausgetragen (Tarifbezirk). Durch die unterschiedlichen Regionen kann es innerhalb einer Branche bei geltenden Tarifverträgen zu Unterschieden kommen. Überregional werden sie ausschließlich in einzelnen Branchen ausgetragen. Häufig finden überregionale Tarifverhandlungen als Spitzengespräche im öffentlichen Dienst statt.

Tarifverhandlungen sind ausschließlich dann möglich, wenn der noch bestehende Tarifvertrag endet. Er muss also entweder auslaufen oder fristgerecht gekündigt worden sein. Überwiegend setzen sich die Verhandlungen aus mehreren Verhandlungsrunden zusammen, in der beide Seiten ihre Forderungen hinsichtlich des neuen Vertrages erläutern. Im Regelfall enden Tarifverhandlungen mit einem Verhandlungskompromiss.

Was ist ein Manteltarifvertrag?

Unter dem Manteltarif wird eine besondere Art von Tarifvertrag verstanden. Er wird überwiegend über mehrere Jahre abgeschlossen. In der Vergangenheit hat sich eine Vertragsdauer von zehn Jahren als durchschnittliche Laufzeit etabliert. Der Manteltarifvertrag ist vom Lohn- und Gehaltstarifvertrag abzugrenzen.

Die Verhandlungen

Durch Verhandlungen sollen die Eckpunkte und Inhalte des Manteltarifs zwischen beiden Seiten geregelt werden. Alle Verhandlungen, die zwischen den Parteien stattfinden, werden grundsätzlich in Hinblick auf die allgemeingültigen Arbeitsbedingungen geführt. Verhandelt wird somit beispielsweise über Urlaubsregelungen und Kündigungsfristen. Letztere beziehen sich nicht nur auf die Arbeitsverhältnisse, sondern ebenso auf die Vertragsdauer des Manteltarifvertrags. Des Weiteren werden bei den Verhandlungen Lohnfragen geklärt. Hierbei gehen die Vertragsparteien unter anderem auf die Entlohnung von Überstunden oder die Auszahlungsmodalitäten der Entgelte ein.

Gleichbleibende Bedingungen

Ein Manteltarif wird generell dann abgeschlossen, wenn die allgemeingültigen Arbeitsbedingungen über einen längeren Zeitraum stabil bleiben sollen. Der genaue Inhalt des Vertrags wird durch die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen bestimmt. Grundsätzlich werden Manteltarife in Deutschland durch kurzfristige Tarifverträge bestimmt. Die verhandelnden Parteien können sich auf diese beziehen und die darin enthaltenen Regelungen bei der neuen Gestaltung des Manteltarifs fordern. Wie die Bezeichnung der Tarifvertragsart bereits schlussfolgern lässt, wird durch die Verhandlungen ausschließlich der Mantel der Arbeitsverhältnisse konkretisiert und festgehalten.

Bereits seit den 1970er Jahren setzen sich die Verhandlungen beim Manteltarif nicht ausschließlich mit Lohnzahlungen und Arbeitszeiten auseinander. Die verhandelnden Seiten gehen immer intensiver auf die Humanisierung des individuellen Arbeitslebens ein. Des Weiteren setzen sie sich mit den Aspekten des technischen Wandels und dem Datenschutz bei Arbeitsverhältnissen auseinander. Abschließend muss bedacht werden, dass die Verhandlungsinhalte beim Manteltarif grundsätzlich weit über dem gesetzlichen Rahmen liegen.

2017-05-22T12:16:55+00:00 30. Dezember 2011|Personalmanagement|0 Kommentare

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