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Polyvalenzlohn: Faire Entlohnung für „Tun“ und „Können“

Dies ist Teil von 7 der Serie Entgeltformen

Bei den meisten Lohnarten wird der Arbeitnehmer dafür entlohnt, was er im Unternehmen leistet. Die Höhe der Vergütung orientiert sich also rein an der Arbeitsleistung bzw. an der Anforderungsstufe der erledigten Arbeit. Dies hat jedoch einen großen Nachteil: Die Weiterbildungsbereitschaft der Mitarbeiter hält sich in Grenzen, denn ein Lohnaufstieg ist hier auch ohne Weiterbildungen möglich. Der Polyvalenzlohn steht im Gegensatz hierzu, denn bei diesen Entgeltformen spielt die tatsächliche Arbeit im Unternehmen eine geringere Rolle bei der Lohnfindung als die Qualifikation.

Funktionsweise des Polyvalenzlohnprinzips

Beim Polyvalenzlohn wird der Arbeitnehmer nicht vorrangig dafür bezahlt, was er in das Unternehmen einbringt, sondern was er einbringen könnte. Es geht also nicht darum, wofür der Mitarbeiter eingesetzt wird, sondern wofür er in der Praxis einsetzbar wäre. Zur Verdeutlichung ein extremes Beispiel:

Ein Maschinenbauingenieur findet keinen Job und wird in einem Industriebetrieb als Montagemitarbeiter (= Anlerntätigkeit) beschäftigt. Im Zeitlohn würde er im Endeffekt dasselbe verdienen wie jede andere Anlernkraft in diesem Bereich. Bei der Beurteilung anhand des Polyvalenzlohnprinzips wird jedoch nicht nur seine Tätigkeit im Unternehmen betrachtet, sondern auch, welche Stellen er anhand seiner Qualifikation auch besetzen könnte. Dadurch stiege seine Entlohnung im Vergleich zum Zeitlohn stark an.

Aufbau des Polyvalenzlohnsystems

Ein Polyvalenzlohn kann sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Nicht nur die Tätigkeit und die Qualifikation, auch leistungsbezogene Bestandteile können hier berücksichtigt werden. Ein Polyvalenzlohn kann beispielsweise folgendermaßen aufgebaut sein:

20 Prozent Normallohn: Abhängigkeit von der Anforderungsstufe der Tätigkeit im Unternehmen

40 Prozent Qualifikation: Je höher die Qualifikation ist, desto höher fällt dieser Anteil aus

10 Prozent Zulagen: Beispielsweise Arbeitszeitzulagen, Schmutzzulagen etc.

30 Prozent Leistungsanteil: Leistungszulage in Abhängigkeit von der gezeigten Leistung

Vor- und Nachteile des Polyvalenzlohns

Diese Entgeltformen haben zunächst einmal den Vorteil, dass die Weiterbildungsbereitschaft der Mitarbeiter gefördert wird. Vor allem können Mitarbeiter, die sich weiterbilden, obwohl gerade für ihre Qualifikation keine passende Stelle bereitsteht, für ihr Engagement belohnt werden. Ein Ausbau der Qualifikation der Arbeitnehmer erhöht die Flexibilität des Unternehmens, denn freigewordene Stellen können so schnell aus dem internen Mitarbeiterstock besetzt werden.

Andererseits bringt der Polyvalenzlohn die Schwierigkeit mit sich, dass es nicht einfach ist, faire Qualifikationsstufen zu erarbeiten. Es wird immer Mitarbeiter geben, die dieses System als unfair betrachten. Schließlich kann es passieren, dass sie eine Tätigkeit auf einer hohen Anforderungsstufe ausüben und dennoch weniger verdienen als ein hochqualifizierter Kollege, der eine „minderwertige“ Arbeit verrichtet.

2013-11-06T00:26:04+00:00 13. Februar 2012|Personalmanagement|0 Kommentare

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