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Konkurrenz für Online-Jobbörsen: Google for Jobs ist gestartet

Nachdem die Entwicklung bereits vor einiger Zeit angekündigt wurde, ist vor wenigen Wochen endlich der neue Dienst „Google for Jobs“ gelauncht worden. Nach einem gescheiterten Vorstoß in diesem Bereich vor vielen Jahren geht Google jetzt mit einem durchdachten Produkt an den Start – und könnte damit die klassischen Jobbörsen in ihre Schranken verweisen.

Google for Jobs: Was leistet die Jobsuchmaschine?

Auf den ersten Blick wirkt die Suchmaschine wie jede beliebige Jobbörse. Aber im Detail steckt mehr in ihr. Google for Jobs könnte man als Metasuchmaschine für offene Stellen ansehen. Sie sammelt Stellenanzeigen aus verschiedensten Quellen. So liest sie die Anzeigen von bekannten Stellenportalen ein (z. B. Careerbuilder, Linkedin, Monster, Glassdoor) und nimmt sie in ihren Index auf. Außerdem crawlt sie die Karrierewebsites von Unternehmen und erfasst die dort veröffentlichten Ausschreibungen. Tendenziell finden die Nutzer bei Google for Jobs also mehr Stellenanzeigen als bei klassischen Jobbörsen, die nur die eigenen Listungen anzeigen.

Google for Jobs ist eine eigene Google-Suche, ähnlich wie Google-Shopping oder Google-Bücher. Sucht ein Nutzer über die allgemeine Google-Suche nach einem Suchbegriff in Zusammenhang mit Berufen (z. B. „Stellenanzeigen Schlosser“), so wird ihm oberhalb der normalen Suchergebnisse eine Info-Box mit den ersten Job-Anzeigen offeriert, von der aus er direkt zur entsprechenden Jobsuche wechseln kann.

Nutzung von Google for Jobs

Der Nutzer gibt in Google for Jobs einen Suchbegriff ein (z. B. eine Berufsbezeichnung) und die Suchmaschine listet alle relevanten Stellenanzeigen. Um nun die geeigneten Stellen zu finden, kann er die Suche über Filter weiter eingrenzen, zum Beispiel:

  • Titel der Stelle
  • Ort und Land
  • Arbeitgeber
  • Branche
  • geforderter Bildungsgrad
  • geforderte Berufserfahrung
  • Beschäftigungsart (z. B. Vollzeit, Teilzeit, Befristet)
  • Veröffentlichungsdatum / Alter der Anzeige

Ruft der Nutzer eine gefundene Stellenanzeige auf, wird ihm der Inhalt direkt in Google for Jobs auf einer gesonderten Seite angezeigt. Dazu gibt es einen Kartenausschnitt von Google Maps mit dem Arbeitsort sowie die Berechnung der Entfernung des aktuellen Standorts zu dem Unternehmen. Teilweise werden auch direkt Bewertungen über den Arbeitgeber angezeigt, die in Arbeitgeberbewertungsportalen abgegeben wurden.

Eine direkte Bewerbung über Google Jobs ist bisher noch nicht möglich. Der Nutzer wird bei Interesse zur Originalanzeige in einer Jobbörse oder im Karriereportal eines Unternehmens weitergeleitet. Dort kann er wie gehabt seine Bewerbung platzieren. Eine solche Funktion ist für die Zukunft allerdings geplant.

Die Besonderheit: Ein eigener Suchindex

Bei der Jobsuche stehen Nutzer immer vor einem Problem: Sie bekommen nie alle für sie relevanten Stellen angezeigt, weil sie die Bezeichnungen der Unternehmen nicht kennen. Ein Beispiel: Der User sucht nach „Vertriebsmitarbeiter“. Viele Unternehmen bezeichnen ihre Vertriebsmitarbeiter aber nicht als solche, sondern zum Beispiel als (Key-)Account-Manager, Customer-Relationship-Manager oder Kundenbetreuer. Hinzu kommt der aktuelle Trend, dass Unternehmen statt normalen Berufsbezeichnungen nach Fantasienamen wie „Vertriebshelden“ oder „Kunden-Lieb-Habern“ suchen. Normale Suchfunktionen können solche Anzeigen der Bezeichnung „Vertriebsmitarbeiter“ nicht zuordnen.

Google hingegen leistet genau das: Durch einen eigenen Suchindex wertet Google Millionen von Stellenanzeigen aus und erfasst so alternative Suchbegriffe. Diese werden schon beim Eintippen des Suchbegriffs angezeigt und vor allem auch in den Suchergebnissen berücksichtigt. Das Ergebnis: Deutlich genauere Joblisten, passendere Jobs und kein Verzicht auf anders formulierte Stellenanzeigen. Dies vergrößert zugleich auch die Chancen der inserierenden Arbeitgeber, werden doch ihre Angebote besser gefunden.

Was Google for Jobs für Jobportale, Arbeitgeber und Stellensuchende bedeutet

Google for Jobs könnte sich auf alle beteiligten Zielgruppen auswirken:

  • Jobbörsen: Jobbörsen müssen sich jetzt warm anziehen. Finden Besucher über Google dieselben Stellenanzeigen wie über die Jobbörse – in den Karrierewebsites sind sie ja gewöhnlich ebenfalls gespeichert – wird es für Arbeitgeber deutlich uninteressanter, dort teure Stellenangebote zu schalten. Außerdem wird es spannend sein zu sehen, wie Google das Konzept vermarkten möchte – denkbar wäre hier ein Pendant zu Google Adwords, mit dem sich die Jobbörsen ihre Platzierung in Google for Jobs „erkaufen“ können. Auch eine neue Ära des Online-Personalmarketings könnte daraus resultieren: Die Suchmaschinenoptimierung für Stellenanzeigen. Kurz gesagt: Die Jobbörsen müssen jetzt am Ball bleiben und direkt auf neue Änderungen reagieren, um am Ball zu bleiben.
  • Arbeitgeber: Arbeitgeber können durch eine entsprechende Aufbereitung ihrer Karrierewebsites dafür sorgen, dass ihre Stellenanzeige eingelesen werden. Hierfür ist es sinnvoll, die Auszeichnungssprache schema.org zu nutzen. Dabei gibt es ein gesondertes Repertoire an Einträgen für Stellenausschreibungen. So bereiten sie sich schon jetzt auf den Rollout in Deutschland vor.
  • Bewerber: Bewerber dürfen sich zukünftig auf noch bessere Suchergebnisse und passgenauere Stellenausschreibungen freuen. Für sie wird allerdings das Thema Datenschutz ein wichtiges sein, besonders falls es zu der Möglichkeit kommt, direkt über Google eine Bewerbung einzureichen.

Noch ist das alles Zukunftsmusik – bisher gibt es Google for Jobs nur in den USA. Es ist aber davon auszugehen, dass der Dienst schon bald auch in Deutschland und anderen Ländern verfügbar sein könnte. Und spätestens dann sollten Jobbörsen und Arbeitgeber schnell nachziehen.

Quellen:

Recrutainment.de
Personalmarketingzunull.de
Wollmilchsau.de

2017-07-14T12:35:54+00:00 14. Juli 2017|Recruiting|0 Kommentare

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