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Frauen in Deutschland: Unbezahlte Arbeitszeit und Lohneinbußen nach der Elternzeit

Frauen kommen auf mehr Arbeitsstunden als Männer und verrichten auch viele unbezahlte Tätigkeiten. Nach Geburt und Elternzeit folgen regelmäßig Lohneinbußen, die Arbeitnehmerinnen ohne Kinder nicht hinnehmen müssen. Diese Aussagen beruhen auf Studienergebnissen, die unter anderem die Arbeitssituation von Frauen in Deutschland abbilden.

ILO-Studie: Frauen leisten viele unbezahlte Arbeitsstunden

Für Arbeiten im Haushalt, die Betreuung von Kindern und anderen Familienmitgliedern und ehrenamtliche Tätigkeiten wenden Frauen sehr viele Stunden auf, für die sie keine Bezahlung erhalten. In Deutschland sind das vier Stunden und 29 Minuten täglich. Dies entspricht in einem internationalen Vergleich mit insgesamt 41 Ländern dem Mittelfeld. Die Zahlen stammen aus einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Der internationale Durchschnittswert liegt bei 266 Arbeitsminuten täglich. Damit leisten Frauen mehr als doppelt so viel unbezahlte Arbeitszeit wie Männer, die nur 108 Minuten für sich verbuchen. Frauen in Litauen zählen mit 308 Arbeitsminuten pro Tag zu den Spitzenreitern. In Finnland ist der Wert mit 211 Minuten täglich deutlich niedriger.

Die Studie zeigt auch die hohe Doppelbelastung von Frauen, die unbezahlte Tätigkeiten neben dem Beruf ausüben. Sie arbeiten durchschnittlich 55 Stunden pro Woche. Männer kommen nur auf 49 Arbeitsstunden. Weltweit arbeiten Menschen insgesamt 16,4 Milliarden Stunden pro Tag ohne Bezahlung. 75 Prozent dieser Arbeitszeit investieren Frauen.

Die Studie der ILO und der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen analysiert die Arbeitssituation von 1,2 Milliarden Menschen in 41 Ländern. An dieser Erhebung haben unter anderem die 28 EU-Staaten, die USA, China, die Türkei, Südkorea und einige Staaten in Mittel- und Südamerika teilgenommen.

Lohneinbußen für Jungmütter nach der Rückkehr aus der Elternzeit

Nach der Rückkehr aus der Elternzeit müssen sich Mütter in Deutschland auf eine schlechtere Bezahlung einstellen. Sie erhalten weniger Gehalt als ihre kinderlosen Arbeitskolleginnen. Dies zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Nach einer mehr als einjährigen Elternzeit ist der Stundenlohn von Jungmüttern rund zehn Prozent niedriger als jener von Frauen ohne Kinder. Dauert die Elternzeit weniger als ein Jahr, liegt der Unterschied noch immer bei mehr als sechs Prozent.

Ein Wechsel in die Gleitzeit verstärkt die Lohneinbußen von Müttern nach der Elternzeit. Frauen, die nach einer längeren Auszeit eine Gleitzeitstelle annehmen, erhalten durchschnittlich um 16 Prozent weniger. In Deutschland verbinden viele Unternehmen Mutterschaft mit einem Fehlen an Karrierestreben. Anders ist dies beispielsweise in Schweden, wo Jungmütter keine Einbußen beim Gehalt erwarten.

Was die Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern betrifft, zeigen sich regionale Unterschiede. In Brandenburg sind die Löhne von Frauen um 14,9 Prozent niedriger als jene von Männern. Demgegenüber liegt der Gehaltsunterschied in Baden-Württemberg durchschnittlich bei 22,7 Prozent, in Bayern bei 21,9 Prozent.

2019-06-12T20:19:10+02:00 21. Juni 2019|Allgemein, Personalmanagement|0 Kommentare

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