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Urlaubsgeld für weniger als 50 Prozent der Arbeitnehmer

Knapp 47 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland bekommen Urlaubsgeld. Dies ergibt sich aus der aktuellen Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Zahlen basieren auf einer Online-Befragung unter www.lohnspiegel.de, an der von Januar 2018 bis Ende April 2019 123.000 Arbeitnehmer teilgenommen haben.

Urlaubsgeld nach Branchen

Im Branchenvergleich zeigt sich, dass die beiden Branchen Chemie und Metall Spitzenreiter bei der Auszahlung von Urlaubsgeld sind.

  • Chemie- und Metallberufe: jeweils 66 Prozent
  • Produktion und Fertigung: 65 Prozent
  • Technik: 63 Prozent
  • Elektrobranche: 60 Prozent
  • Ingenieur, Logistik und Handel: jeweils 57 Prozent
  • Baugewerbe: 54 Prozent
  • Handwerk: 47 Prozent
  • Bank, Finanz, Büro und Verwaltung: 44 Prozent
  • EDV und IT: 36 Prozent
  • Gastronomie und Tourismus: 34 Prozent
  • Gesundheit und Soziales: 33 Prozent
  • Dienstleistungssektor: 32 Prozent
  • Callcenter: 26 Prozent

Die Bandbreite des tariflichen Urlaubsgeldes in der mittleren Lohngruppe bewegt sich zwischen 155 Euro (Landwirtschaft) und 2.450 Euro (Holz- und Kunststoffverarbeitung). Am niedrigsten fällt das Urlaubsgeld in Landwirtschaft, Steinkohlebergbau und Gastronomie aus. Neben der Holz- und Kunststoffindustrie zahlen die Metall-, Papier- und Druckindustrie ein höheres Urlaubsgeld aus.

Urlaubsgeld im Tarifvertrag

Die Tatsache, ob ein Arbeitnehmer in einem Unternehmen mit Tarifvertrag arbeitet oder nicht, ist ein ausschlagender Faktor. In Betrieben mit Tarifvertragsbindung profitieren 68,8 Prozent der Arbeitnehmer von der Zahlung eines Urlaubsgeldes. Bei Beschäftigten ohne Tarifvertrag verringert sich dieser Anteil auf 36,1 Prozent.

Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Unterschiede ergeben sich nicht nur in den Branchen, sondern auch nach Geschlecht, Region und Betriebsgröße. Demnach beziehen 50,5 Prozent der Männer Urlaubsgeld. Bei den Frauen sind es nur 40,9 Prozent. Das hängt damit zusammen, dass männerdominierte Branchen wie Metall-, Technik- und Ingenieurberufe im oberen Feld liegen, wenn es um das Urlaubsgeld geht. Demgegenüber gehört der Dienstleistungssektor, in dem sehr viele Frauen arbeiten, zu den Schlusslichtern.

Ost und West: Gravierende Unterschiede

In Ostdeutschland inklusive Berlin liegt der Anteil der Arbeitnehmer, die Urlaubsgeld beziehen, bei 34,7 Prozent. Demgegenüber dürfen sich fast 49 Prozent aller Beschäftigten in Westdeutschland über eine Aufbesserung der Urlaubskasse freuen. Dies entspricht einem Unterschied von knapp 14 Prozent zwischen Ost und West. Die Ursachen sind in der weniger verbreiteten Tarifbindung und der geringeren Anzahl an Großunternehmen in Ostdeutschland zu finden.

Unternehmensgröße: Selten Urlaubsgeld in Kleinunternehmen

Nur 36,9 Prozent aller Mitarbeiter von Kleinunternehmen (Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeitern) bekommen Urlaubsgeld. In mittelgroßen Betrieben (mit einer Anzahl zwischen 100 und 500 Mitarbeitern) liegt der Anteil bei 53 Prozent. Von den Beschäftigten, die in Großunternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 500 Personen arbeiten, erhalten 60,6 Prozent Urlaubsgeld.

2019-09-17T19:10:29+02:00 27. September 2019|Personalmanagement|0 Kommentare

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