Unternehmen, die mit Online-Bewerbungen arbeiten, beschäftigt die Frage, ob sie einen verpflichtenden Account für die Bewerber einsetzen sollen. Es gibt Gründe, die dafür sprechen, aber auch einige Gegenargumente. Beim Bewerber-Account handelt es sich um ein Nutzerkonto des jeweiligen Jobinteressanten, das in den Karrierebereich der Website eingebettet ist.

Online-Bewerber-Managementsysteme

Bei Kandidaten kommen Online-Bewerber-Managementsysteme (ATS) besser an als Bewerbungsschreiben per E-Mail. Allerdings bevorzugen Bewerber eine einfache Form der Bewerbung, die per Mausklick erfolgt. Im Idealfall lassen sich Daten aus einem Portal wie XING oder LinkedIn direkt übertragen. Umfangreichen Online-Formularen stehen Kandidaten hingegen kritisch gegenüber. Dies ergibt sich aus den Studienergebnissen der Digital Candidate Journey 2019/2020.

Pflicht-Account für Online-Bewerber: Das Kontra

Mit der Pflicht, ein Konto anzulegen, kann negative Auswirkungen haben:

  • Passwort festlegen: Der Wunsch nach einer einfachen Bewerbung dürfte dagegensprechen, einen Bewerber-Account zu verlangen. Das Anlegen eines Accounts setzt voraus, dass der jeweilige Jobinteressent anhand von festgelegten Vorgaben ein Passwort definiert. Gerade dieses Prozedere empfinden Internetnutzer häufig als lästig, weil sie für die verschiedensten Portale Passwörter festlegen müssen. Das bringt die Gefahr mit sich, das Passwort zu vergessen.
  • Wunsch, Account nur vorübergehend zu verwenden: Bewerber möchten solche Accounts regelmäßig nur vorübergehend verwenden, um eine Bewerbung abzuschicken. Sie bewerben sich meist bei unterschiedlichen Unternehmen, deren Bewerbungsprozesse sich voneinander unterscheiden. Jede Bewerbung ist mit einem Zeitaufwand verbunden. Es stellt sich daher die Frage, ob Bewerbern das Anlegen eines oder mehrerer Accounts zu mühsam ist.
  • Gefahr, dass sich Bewerber abwenden: Unternehmen, die mit einem Mangel an Fachkräften konfrontiert sind und mit anderen Betrieben in einem Wettstreit um wenige Bewerber stehen, sollten die bürokratischen Anforderungen an Bewerbungen so gering wie möglich halten. Andernfalls laufen sie Gefahr, dass sich die begehrten Fachkräfte vorzeitig abwenden und bei anderen Unternehmen vorstellig werden.

Pflicht-Account für Online-Bewerber: Die Pro-Argumente

Die Verpflichtung, einen Bewerber-Account anzulegen, hat auch einige Vorteile.

  • Bewerbungsunterlagen anpassbar: Im Falle eines Bewerber-Accounts können Jobinteressenten die Bewerbungsunterlagen nachträglich anpassen, Fehler korrigieren und bei Bedarf Zeugnisse und Zertifikate nachreichen. Sie ersparen sich damit das Schreiben einer zusätzlichen E-Mail.
  • Daten löschen: Im Bewerber-Account lassen sich die Daten durch den Betroffenen selbst löschen, ohne dass mühsame Identitätsprüfungen notwendig sind.
  • Status der Bewerbung einsehbar: Einige Bewerber-Managementsysteme zeigen den Status der Bewerbung an. Das kommt dem Informationsbedürfnis der Bewerber entgegen. Allerdings wirken E-Mails, die über die Zwischenschritte informieren, mitunter persönlicher. Hinzu kommt, dass einige ATS nur die zwei wenig aussagekräftigen Optionen „in Bearbeitung“ und „abgeschlossen“ anzeigen. Bei umfangreichen Bewerbungsverfahren mit mehreren Zwischenstationen können die dazugehörigen Statusinformationen den Bewerber verunsichern.
  • Mehrfach nutzbar: Jobinteressenten können einen einmal angelegten Account mehrmals nutzen und sich auch zu einem späteren Zeitpunkt für eine andere Stelle bewerben. Das System erkennt, ob es sich um eine mehrfache oder neuerliche Bewerbung handelt. Die Personalverantwortlichen brauchen keine Duplikatsprüfung durchführen.
  • Innerhalb des Bewerber-Systems Dateien übermitteln und miteinander kommunizieren: Über den Bewerber-Account kann der jeweilige Kandidat Dateien geschützt an das Unternehmen übermitteln. Umgekehrt ermöglicht der Account das Bereitstellen von Vertragsofferten, Betriebsvereinbarungen und sonstigen Unterlagen durch das Unternehmen. Darüber hinaus können der Bewerber und die Personalverantwortlichen innerhalb des Bewerber-Systems vertraulich miteinander kommunizieren, ohne dass aufwändige Verfahren für verschlüsselte E-Mails notwendig sind.

Verpflichtende Bewerber-Accounts haben somit Vor- und Nachteile, die Unternehmen im Einzelfall abwägen sollten. Im universitären Bereich arbeiten sehr viele Hochschulen mit Bewerber-Accounts. Demnach sind insbesondere Studierende und Hochschulabsolventen daran gewöhnt, ein Bewerber-Konto anzulegen und zu nutzen.

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