Die Corona-Krise hat das Recruiting-Verhalten von Unternehmen in der einen oder anderen Weise verändert. Dabei lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Zur ersten Gruppe gehören Unternehmen, die die Rekrutierungsmaßnahmen krisenbedingt aufgeben und mit einem Einstellungsstopp reagieren. In der zweiten Gruppe sind Arbeitgeber anzutreffen, die mit der bisherigen Strategie weiterarbeiten. Die dritte Gruppe wird von einem kleinen Kreis an Unternehmen repräsentiert, die sich untypisch verhalten und gerade wegen der Krise neue Mitarbeiter einstellen möchten.

Rekrutierungsmethoden nach der Krise

Unabhängig davon verändern sich durch die Corona-Pandemie auch die Rekrutierungsmethoden. So verlagern sich persönliche Vorstellungsgespräche und Image-Auftritte des Arbeitgebers zunehmend in die digitale Welt. Die Teilnahme an Recruiting-Messen ist angesichts der damit verbundenen Kosten, der Abstandsregelungen und der veränderten Arbeitsmarktsituation wenig attraktiv. Stattdessen findet die Rekrutierung über Online-Assessment-Center und Videointerviews statt. Die folgenden Aspekte sind im Recruiting nach der Corona-Krise gefragt.

1. Bewerber-Pool und Kontakte aufbauen

Die Krise ist ein guter Zeitpunkt, um einen Bewerber-Pool aufzubauen und Kontakte zu vielversprechenden Bewerbern zu knüpfen. Selbst wenn das Unternehmen krisenbedingt momentan keine neuen Mitarbeiter einstellt, lohnt es sich, aktiv auf Kandidaten zuzugehen und für die Zeit nach der Krise vorzubauen. Damit kann das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt auf diese Kontakte zurückgreifen und offene Stellen schneller mit passenden Bewerbern besetzen.

2. Bewerber individuell ansprechen

Unternehmen, die momentan auf Mitarbeitersuche sind, stehen vor der Herausforderung, den durch die Krise verunsicherten Kandidaten Sicherheit zu geben. Auch diese Arbeitgeber sollten aktiv nach Arbeitnehmern suchen und sich nicht nur auf eingehende Bewerbungen verlassen. Für die Kontaktaufnahme bieten sich die Jobplattformen XING und LinkedIn an. Dabei sollten Arbeitgeber gezielt individuelle Qualifikationen und Lebenslaufstationen ansprechen, statt die Bewerber mit standardmäßigen Floskeln anzuschreiben.

3. Einfache Lösungen beibehalten

In der Akutphase der Corona-Pandemie rücken Kriterien wie Gemeinschaftssinn, Improvisationsfähigkeit und die Bereitschaft für einfache Lösungen in den Mittelpunkt. Im Recruiting werden die Wörter „unkompliziert“ und „persönlich“ zunehmend wichtiger, um eine gute Kandidatenorientierung zu fördern. Unternehmen sollten daher die Bereitschaft zu einfachen und digitalen Lösungen im Recruiting auch nach der Krise beibehalten, ohne in Bürokratie und Unpersönlichkeit zu verfallen. Selbst in Zeiten mit hohen Arbeitslosenzahlen ist es empfehlenswert, auf ein gutes Arbeitgeberimage zu achten und nicht die Macht als Arbeitgeber auszuspielen. Wenn Bewerber schlechte Erfahrungen im Recruitingprozess sammeln, können sich diese in für das Unternehmen nachteiligen Bewertungen auf kununu niederschlagen. Auch Shitstorms in den sozialen Medien gefährden den Ruf als Arbeitgeber.

4. Digitales Networking

Die Kommunikation funktioniert krisenbedingt eher über soziale Medien als über die persönliche Teilnahme an Seminaren und Konferenzen. Unternehmen, die bisher wenig digitales Networking betrieben haben, sind gefordert, Zeit in die Kontaktpflege über soziale Medien wie LinkedIn und XING zu investieren.

5. Digitalisierung im Recruiting

Die Corona-Krise hat einige Unternehmen dazu veranlasst, ihre Recruiting-Prozesse zu digitalisieren, ohne große Veränderungen anzustoßen. Diese Tendenz in Richtung Digitalisierung sollten Recruiter auch in der Nachkrisenzeit verfolgen und dauerhaft in digitalen Prozessen umsetzen. Sie können ein Recruiting-Controlling implementieren.

6. Mitarbeiterauswahl verfeinern

Gerade wenn die Bewerberzahlen hoch sind, ist es für Unternehmen entscheidend, aus dem Kandidatenkreis treffsicher die geeigneten Mitarbeiter auszuwählen. In diesem Bereich kann sich die Umstellung auf Methoden anbieten, die validere Ergebnisse liefern.

7. Zielgerichtetes Recruiting in Engpassberufen

Einige Arbeitnehmer aus Engpassberufen werden den Arbeitsplatz verlieren, weil ihr Arbeitgeber von der Krise massiv betroffen ist. Unternehmen, die in diesen Berufssparten Bedarf an Mitarbeitern haben, können diese Bewerber mit einem zielgerichteten Recruiting ansprechen.

Whitepaper zum Thema