Ein starker Start und danach ein deutlicher Abfall – so lässt sich das deutsche Weiterbildungssystem beschreiben. Laut einer OECD-Studie ist in Deutschland die Erstausbildung eine große Stärke, während die Weiterbildung im Vergleich zu anderen OECD-Ländern hinterherhinkt. Lediglich 54 Prozent der Deutschen haben an Weiterbildungsprogrammen teilgenommen. In Österreich, den Niederlanden und der Schweiz ist die Lernbeteiligung höher. Vor allem in der Gruppe der bildungsschwachen Personen weist Deutschland eine geringe Teilnehmerquote auf. Die OECD sieht in vier Bereichen Grund zum Handeln.

1. Bevölkerungsgruppen mit geringen Grundkompetenzen fördern

Ein Kritikpunkt liegt in der ungleichmäßigen Beteiligung an der Weiterbildung. Einige Bevölkerungsschichten haben hier das Nachsehen. So nehmen Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen sowie Niedrigverdiener und Mitarbeiter von kleinen und mittelgroßen Unternehmen nur in geringem Maß an Weiterbildungsangeboten teil. Die OECD-Studie gibt die Empfehlung, dass Bund und Länder einen kostenfreien oder günstigen Zugang zu Weiterbildungsangeboten in ganz Deutschland ermöglichen, um die entsprechenden Gruppen besser zu erreichen. Dabei sollte die Weiterbildung praxisnah sei, Probleme aufgreifen und im Arbeitskontext erfolgen. Als Beispiel kann das UnionLearn-Programm aus Großbritannien dienen. Zudem sollten Personen mit wenig Grundkompetenzen durch höhere finanzielle Anreize zu Weiterbildungen ermuntert werden. Hierfür bieten sich eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes und eine Ausdehnung der Ansprüche auf Bildungszeiten an.

2. Struktur des Weiterbildungssystems optimieren

Die OECD-Studie kritisiert aber auch die Struktur des Weiterbildungssystems mit rund 18.000 öffentlichen und privaten Anbietern. Für die Weiterbildung sind viele unterschiedliche Unternehmen, Weiterbildungsträger und Wirtschaftspartner sowie Bundes- und Landeseinrichtungen verantwortlich. Das führt dazu, dass für die Nutzer die Angebote und Fördermöglichkeiten unübersichtlich sind. Im Sinne einer nationalen Weiterbildungsstrategie ist es daher empfehlenswert, ein bundesweit einheitliches Weiterbildungsgesetz zu schaffen und Mindestqualitätsstandards für die Anbieter festzulegen. Auch die Ansprüche auf Bildungszeiten und Bildungsurlaub sollten bundesweit geregelt werden.

3. Finanzielle Mittel erhöhen

Im Finanzierungsbereich braucht es mehr Transparenz und höhere Mittel für die Weiterbildung. Die finanziellen Fördermöglichkeiten sollten laut den Empfehlungen der Studie an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Nicht nur die bereits bestehenden Optionen sind besser zu nutzen, sondern auch neue Finanzierungsmöglichkeiten sind zu schaffen.

4. Teilqualifikationen anerkennen

Ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen soll es ermöglichen, Kompetenzen zu validieren und Teilqualifikationen als fixen Bestandteil des deutschen Weiterbildungssystems anzuerkennen. Es bedarf einer Arbeitsgruppe, die sich mit den Schnittstellen zwischen Weiterbildungsberatung, Validierung und Teilqualifikationen beschäftigt. Es geht darum, Weiterbildungsangebote zum Erwerb von Teilqualifikationen auszuweiten, Standards zu etablieren und die jeweiligen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt anzuerkennen. Positive Beispiele liefern insbesondere Dänemark und Finnland.

Nationale Bildungsplattform

Das BMBF plant eine nationale Bildungsplattform, die eine leistungsstarke Lehr- und Lern-Infrastruktur bietet. Über diese Plattform sollen Personen aller Altersstufen und Bildungsbereiche digitale Bildungsangebote nutzen, Unterstützung erhalten und sich beraten lassen können. Zum individuellen und flexiblen Lernen gibt es digitale Bildungsräume, wobei die Lernenden ihre Daten selbst verwalten, auf Lernmaterialien zugreifen und die Leistungsnachweise aufbewahren können.

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