Mit kreativen und innovativen Methoden Talente überraschen – so lässt sich Guerilla Recruiting kurz und knapp beschreiben. Dieser Fachbegriff geht auf eine Formulierung des Marketingexperten Levinson zurück, der darunter ungewöhnliche Marketinginstrumente mit Überraschungseffekt und hoher Werbewirkung zusammenfasste.

Vorteile von Guerilla Recruiting

Die Idee hinter Guerilla Recruiting ist, die Zielgruppe dort anzusprechen, wo sie nicht damit rechnet. Das kann im Freizeitbereich oder auf dem Arbeitsweg sein. Der Überraschungseffekt soll Neugierde für das Jobangebot und das Unternehmen erzeugen. Besonders bei schwer zu besetzenden Jobs kann diese Methode wirken, und zwar unabhängig von der Branche.

Mit Guerilla Recruiting können Unternehmen auch Fachkräfte erreichen, die nicht aktiv Jobs suchen, aber sich einen Arbeitsplatzwechsel grundsätzlich vorstellen können, wenn es ein interessantes Angebot gibt. Außergewöhnliche Guerilla-Recruiting-Aktionen sorgen für Aufsehen und können damit auch über die virale Verbreitung im Internet zusätzliche Bewerber anlocken. Solche Kampagnen leben von kreativen Ideen und kommen regelmäßig ohne großes Budget aus.

Formen des Guerilla Recruitings

Wenn es Unternehmen gelingt, mit unkonventionellen Mitteln Bewerber zu überrumpeln, erregen sie damit Aufsehen. Es gibt verschiedene Wege, um Guerilla Recruiting zu betreiben:

  • Trojan Recruiting: In Anlehnung an das trojanische Pferd geht es darum, mit gezielten Aktionen Mitarbeiter bei der Konkurrenz zu erreichen und entsprechend abzuwerben.
  • Tribal Recruiting: Tribal Recruiting zielt darauf ab, eine Schlüsselperson samt Team für das Unternehmen zu gewinnen und mehrere offene Positionen gleichzeitig zu besetzen.
  • Viral Recruiting: Beim Viral Recruiting möchte ein Unternehmen ein Stellenangebot mit ungewöhnlichen Botschaften über das Internet verbreiten. Das Ziel besteht darin, möglichst viele Personen zu erreichen, die das Angebot teilen und weiterverschicken.
  • Conspiracy Recruiting: Conspiracy Recruiting funktioniert über Kennenlerntreffen und Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Mitarbeitern von Konkurrenzunternehmen. Es kommt ohne aggressive Abwerbungsmethoden aus, weil es auf einer ungezwungenen Kommunikation basiert, aus der sich jedoch ein Arbeitsverhältnis entwickeln kann.
  • Ambient Recruiting: Ambient Recruiting geht den Weg zu potenziellen Bewerbern über das direkte Freizeitumfeld, um Zielpersonen mit Postern, Flyern, Verpackungen, Servietten und anderen Gegenständen aufzufordern, sich zu bewerben.

Beispiele für Guerilla Recruiting

Plakate und Gehweg-Graffitis

Die Metro forderte mit Plakaten und Gehweg-Graffitis IT-Experten mit dem Hashtag „#TakeTheExit“ dazu auf, den aktuellen Arbeitsplatz aufzugeben. Eines dieser Graffitis wurde gezielt vor der Zalando-Zentrale platziert, wo kurz davor mehr als 200 Mitarbeiter gekündigt worden waren.

Auch ein Gehweg-Graffiti vor dem Firmengebäude eines Konkurrenzunternehmens mit der Aufschrift „Sie hier? Sie sollten doch hier sein!“ samt Hinweis auf die eigene Webseite erzielte seine Wirkung.

Werbeflächen auf LKWs und mobilen Eisständen (Fahrrädern)

Andere Unternehmen setzten auf große Werbeflächen auf LKWs oder mobilen Eisständen, um eine hohe Sichtbarkeit zu erreichen und Mitarbeiter anzuwerben.

„Pizza Digitale“

Eine Werbeagentur ließ zusätzliche Pizzen über einen regionalen Pizzaservice bei Bestellungen von Konkurrenzunternehmen ausliefern und kennzeichnete dieselben mit einem QR-Code. Das Einscannen führte direkt auf die Karrierewebsite der Werbeagentur. Dadurch konnte die Agentur neue Mitarbeiter gewinnen.

Geld als Anreiz

Auch finanzielle Anreize können greifen. So stellte eine deutsche Versicherung jenen Talenten, die das Bewerbungsgespräch erreichen, 500 Euro und solchen, die am Assessment-Center teilnahmen, 1.000 Euro in Aussicht. Für die Unterzeichnung des Arbeitsvertrages und das Überstehen der Probezeit gab es noch einmal zusätzlich Geld.

Rätsel

Die Aufgabe, einen schwierigen Code auf der Website zu knacken, kann kompetente IT-Spezialisten anlocken. Bei einigen Buchhaltern war hingegen die Überweisung eines Cents auf das Geschäftskonto in Verbindung mit einem versteckten Link zur Karrierewebsite eines anderen Unternehmens ein Grund, sich zu bewerben.

Achtung, rechtliche Stolperfallen!

Arbeitgeber, die auf Guerilla Recruiting setzen, müssen sensibel und umsichtig vorgehen, um nicht jemanden zu diskriminieren oder Rechtsvorschriften wie das UWG und Datenschutzbestimmungen zu brechen. Andernfalls drohen rechtliche Konsequenzen und Shitstorms.

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