In Hinblick auf Arbeitszeitmodelle hatte Microsoft Deutschland, inspiriert vom amerikanischen Mutterkonzern, immer schon eine gewisse Vorreiterrolle. Schon seit 16 Jahren gibt es dort keine festen Arbeitszeiten mehr – jeder Mitarbeiter konnte dank der Vertrauensarbeitszeit völlig unabhängig entscheiden, wann er arbeiten wollte. Einzige Voraussetzung war die Erreichung der individuell gesteckten Ziele.

Nun geht der US-amerikanische Softwaregigant noch einen Schritt weiter: Vor kurzem folgte die Einführung des „Vertrauensarbeitsorts“. Die Mitarbeiter können nun nicht nur frei entscheiden, wann sie kommen und gehen, sondern auch wo sie arbeiten. Wer im Homeoffice arbeiten möchte, kann dies tun. Auf den ersten Blick ist dies ein Gewinn für die Mitarbeiter – sie können ihren Beruf voll auf ihr Privatleben abstimmen. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt.

Die Arbeitszeiten flexibler gestalten

Arbeitnehmer sind heute vielfach gefordert und die Rollenverteilung in den Familien ist nicht mehr so klar wie früher. Damit sich insbesondere Kindererziehung und Zeit für die Familie, aber auch spezielle Hobbys mit der Arbeit gut vereinbaren lassen, hat sich eine Lockerung der festen Arbeitszeiten vielfach durchgesetzt. Es gibt verschiedene Modelle – teilweise mit Gleit- und Kernarbeitszeiten, Arbeitszeitkonten oder komplett variablen Modellen wie der Vertrauensarbeitszeit.

Vertrauen ist die Basis

Eine so umfangreich gestaltete Entscheidungsfreiheit des Arbeitnehmers setzt für den Arbeitgeber hohes Vertrauen voraus. Die anfallende Arbeit muss trotz flexibler Zeiten und Orte termingerecht erledigt werden. Höchste Zuverlässigkeit auf der einen und der Wille zu vertrauen auf der anderen Seite sind unabdingbar, damit dieses Prinzip funktioniert.

Vorteile für den Arbeitgeber

Als Arbeitgeber erreichen Sie durch die Lockerung von Arbeitszeit und -ort mitunter eine bessere Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer. Erkrankungen, insbesondere durch psychische Belastungen und Burnout soll vorgebeugt werden.

Da sich die Anzahl der ständig anwesenden Mitarbeiter reduziert, benötigen Sie weniger Büro- und Arbeitsflächen. Dadurch können Sie nachhaltig Kosten einsparen.

Vorteile für den Arbeitnehmer

Die Vorteile für den Arbeitnehmer liegen in der besseren Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeitswelt. Die Nähe zur Familie ist durch ein Homeoffice viel eher gegeben und wo sonst die gute Ausbildung und Kompetenz aufgrund fester und starrer Arbeitsvorgaben nicht genutzt werden kann, können die Mitarbeiter nun ihre Fähigkeiten gezielt einsetzen. Zudem erspart die Heimarbeit dem Arbeitnehmer weitere Zeit durch das Entfallen langer Arbeitswege. Somit können auch Fahrtkosten gespart werden.

Zunehmende Belastung durch das Homeoffice

Was viele zunächst nicht beachten: Die freie Zeiteinteilung und mehr Nähe zur Familie sind für die Arbeitnehmer zwar sicherlich attraktive Zusatzkonditionen. Die eigentlichen Bedürfnisse des Menschen betreffen sie jedoch nicht. Diese werden durch die Arbeit zuhause vielfach nicht erfüllt. Probleme im Homeoffice sind beispielsweise:

  • kaum persönlicher und sozialer Kontakt zu Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern
  • keine direkte Rückkopplung durch die Vorgesetzten
  • keine Anerkennung und Wertschätzung durch Kollegen
  • geringere Verbundenheit mit dem Arbeitgeber

Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmer im Homeoffice dazu neigen, mehr zu arbeiten als im Betrieb. Überstunden fallen plötzlich kaum mehr auf, denn man geht am Abend ja „nur nochmal schnell“ für eine Stunde ins Büro. Viele Heimarbeiter haben zudem Schwierigkeiten damit, ihren Arbeitstag effizient zu strukturieren, wenn die zeitliche Struktur des Arbeitgebers fehlt, Kantinengänge entfallen und willkommene private Störungen ihn wiederholt von der Arbeit abhalten.

Anfänglich sind viele Heimarbeiter begeistert von der neuen Freiheit. Spätestens wenn sie jedoch merken, dass ihre Organisation nicht ausreicht, um die gesetzten Ziele zu erreichen, macht sich noch mehr Stress und Druck breit als zuvor. Schon so mancher hat sich nach einer gewissen Zeit im Homeoffice seinen früheren Arbeitsplatz wieder zurückgewünscht.

Nicht für jedermann die Lösung

Schon die Vertrauensarbeitszeit ist für die meisten Unternehmen keine Option, für den flexiblen Arbeitsort gilt dies noch viel mehr. Wann immer direkte Ansprechpartner für Kunden und Geschäftspartner anwesend sein oder Öffnungszeiten abgedeckt werden müssen, wird die Vertrauensarbeit zur Unmöglichkeit. Auch wenn die Arbeit an einem bestimmten Ort erledigt werden muss, beispielsweise aufgrund der Notwendigkeit von speziellem Werkzeug oder Maschinen, ist der Vertrauensarbeitsort keine realistische Lösung.

Auch wenn das Konzept durchaus einige positive Seiten hat, bedarf es für die Umsetzung in die Praxis noch einer genaueren Strategie, um die Work-Life-Balance der Mitarbeiter nicht zu ungünstig zu verschieben und um den Betrieb des Tagesgeschäfts aufrechterhalten zu können.

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