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Umfrage der DIHK zur Zufriedenheit der Wirtschaft mit Bachelor-Absolventen

Ursprünglich sollte die Bologna-Reform in Deutschland das Studium vereinfachen und der deutschen Wirtschaft helfen, die Absolventen schneller und besser in den Betrieb einzufügen. Die Hoffnung war, dass die jungen Absolventen bereits mit einem Bachelor die nötige Kompetenz haben, um von Beginn an ein wichtiger Teil des Unternehmens zu werden, während Akademiker bis zum Master studieren konnten. Tatsächlich scheinen die Erwartungen an die Bologna-Reform nicht erfüllt zu werden. Das zeigt sich zumindest an der Zufriedenheit der Unternehmen mit den Absolventen der Universitäten.

Schlechte Qualität bei Bewerbern und Bachelor-Absolventen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat eine Umfrage unter Unternehmen in Auftrag gegeben, die sich mit der Zufriedenheit der Personalchefs und Unternehmer mit den Absolventen des neuen Systems beschäftigte. Das Ergebnis ist ernüchternd – sowohl für die Entscheider als auch für die Universitäten und Absolventen selbst. Von den 2000 befragten Unternehmen zeigten sich gerade einmal 47 Prozent überzeugt und zufrieden mit den Absolventen des Bologna- und Bachelor-Programms. Angesichts der Zahlen aus den letzten Jahren sind das noch einmal 20 Prozent weniger als die ersten Abgänger, die man 2007 in den Unternehmen finden konnte.

Dabei sind die Gründe für die Unzufriedenheit mit den Abgängern von ganz unterschiedlicher Natur. In den meisten Fällen dominiert aber vor allem die mangelnde Fachkenntnis für das eigene Fach. Die weiteren Gründe laut Umfrage:

 

  • Mangelnde Fachkenntnis: Das Bachelor Studium ist verkürzt und hat daher den Nachteil, dass nicht alle fachlichen Inhalte in der kurzen Zeit des Studiums vermittelt werden können.
  • Mangelnde Vorbereitung: Die Absolventen mit einem Bachelor sind in der Regel kaum bis gar nicht auf die Aktivität in einem normalen Betrieb vorbereitet. Bei der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt versagt das Programm.
  • Hohe Kosten: Durch die beiden oberen Punkte wird es nötig, die Mitarbeiter zunächst weiter zu qualifizieren und Fortbildungen anzubieten. Das kostet viel Geld und ist für kleine Unternehmen nicht erschwinglich.

Besonders kleine Unternehmen haben also unter den Problemen des Programms zu leiden. Auch das immer niedrigere Alter der Absolventen scheint dabei ein Problem zu sein – es fehlt an Erfahrungen in sämtlichen Bereichen. Dass es kein globales Problem ist, zeigt die Umfrage zu den Master-Studenten. Mit ihnen sind über 70 Prozent der Betriebe zufrieden.

Nötige Veränderungen am Studium

Dass Veränderungen notwendig sind, haben sowohl Wirtschaft als auch Politik schon vor einiger Zeit erkannt – immerhin handelt es sich nicht um neue Probleme. So fordert auch der Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer eine Veränderung bei der Struktur des Studiums. Es könne nicht sein, dass die Studenten immer einen Platz in ihrem Wunschfach bekämen und dafür einfach nur die Noten des Abiturs als Maßstab für die Qualifikation genutzt werden. Stattdessen müsse man sich sicher sein, dass die Absolventen eine tatsächliche Chance haben, in ihrem Fach zu bestehen, und dafür die notwendigen Qualifikationen mitbringen.

Wäre die Quote der erfolgreichen und guten Abschlüsse höher, spräche dies auch für die Kompetenz der Bewerber und somit für die Zufriedenheit der Unternehmen, wenn sie einen Absolventen frisch von der Universität einstellen. Dafür muss allerdings das System für die Zulassung überdacht werden. Entsprechende Lösungen müssen von der Politik gefunden werden – nur so kann der Abschluss des Bachelors an den Universitäten aufgewertet werden.

2018-09-19T10:38:12+02:00 6. Mai 2015|Weiterbildung|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. […] statt weitgehend wissenschaftlich und theoretisch orientierte Absolventen engagieren zu müssen, die erst noch lernen müssen, fernab von rein wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten. Dadurch entfällt zugleich auch die kosten- und zeitintensive Einarbeitung. Da die Studierenden […]

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