Die englischsprachige Bezeichnung Candidate Experience (deutsch: Kandidatenerfahrung) basiert auf den Wahrnehmungen und Empfindungen, die ein Bewerber im Verlauf des Bewerbungsprozesses mit einem potentiellen Arbeitgeber sammelt.

Warum die Candidate Experience für Arbeitgeber wichtig ist

In Zeiten des Fachkräftemangels und der Verschiebung vom Arbeitgebermarkt zum Bewerbermarkt gilt eine positiv empfundene Candidate Experience aus Sicht der Unternehmen als entscheidender Faktor im Kampf um qualifizierte Stellenanwärter. Als wichtiger Teilaspekt des Employer Brandings unterstützt sie dabei, das Arbeitgeberimage zu verbessern. Eine positiv besetzte Candidate Experience erhöht die Wahrscheinlichkeit, qualifizierte Bewerber anzusprechen und in weiterer Folge geeignete Arbeitnehmer für eine Mitarbeit im Unternehmen zu gewinnen.

Umgekehrt verbreiten sich negative Erfahrungen eines Bewerbers mit dem Unternehmen durch Mundpropaganda oft deutlich schneller als positive Erlebnisse. Sie haben das Potenzial, zukünftige Kandidaten von einer Bewerbung abzuhalten und mögliche Kunden zu vergraulen. Somit erweist sich eine positive Candidate Experience als wichtiges Instrument der Mitarbeiter- und Kundengewinnung.

Lässt sich Candidate Experience messen?

Mittlerweile gibt es sogenannte Candidate Experience Awards, welche eine kostenlose und risikofreie Möglichkeit darstellen, um die Zufriedenheit von Bewerbern zu messen. Damit erhalten Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen die Chance, ihre Candidate Experience zu messen und zu vergleichen, um anschließend Verbesserungen vornehmen zu können.

Die Arbeitgeber, deren Ergebnisse deutlich über denen des Durchschnitts liegen, freuen sich über eine Auszeichnung. Arbeitgeber am unteren Ende der Bewertungsskala profitieren von der Geheimhaltung ihrer Daten. Zudem erkennen sie, in welchen Bereichen der Personalbeschaffung Handlungsbedarf besteht, ohne dass die Ergebnisse des Awards an die Öffentlichkeit gelangen.

Das Bewertungsverfahren besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil beantworten die Verantwortlichen des Unternehmens rund 60 Fragen zu den gegenwärtigen Bewerbungsprozessen und Rekrutierungspraktiken. Der zweite Teil basiert auf einer Befragung der vergangenen Bewerber, welche vom betreffenden Unternehmen über einen speziellen Internetlink zu einer Teilnahme an der Erhebung eingeladen werden. Die gesammelten und ausgewerteten Ergebnisse erhält das teilnehmende Unternehmen in Form von Benchmarks.

Positive Beeinflussung der Bewerberzufriedenheit

Die möglichen Beeinflussungsfaktoren beschränken sich nicht auf den eigentlichen Bewerbungsprozess und das persönliche Vorstellungsgespräch des Kandidaten. Erste Anknüpfungspunkte ergeben sich bereits im Vorfeld der Bewerbung. In Anlehnung an die einzelnen Phasen, in welcher ein potentieller Bewerber mit einem Unternehmen persönlich oder auf indirektem Weg in Kontakt tritt, eröffnen sich folgende Möglichkeiten, um positiv besetzte Erfahrungen eines Kandidaten zu fördern:

  • Teilnahme an Jobmessen
  • Internetauftritt und Aufmachung der Webseite (eigene, gut auffindbare und übersichtliche Rubrik über das Unternehmen als Arbeitgeber)
  • Veröffentlichung der aktuell ausgeschriebenen Arbeitsstellen
  • klar formulierte und informative Stellenanzeigen inklusive Nennung einer Kontaktperson
  • übersichtliches und gut strukturiertes Online-Bewerbungsformular, welches einfach und in kurzer Zeit ausfüllbar ist
  • transparentes Bewerbungsverfahren
  • Empfangsbestätigung über den Eingang der Bewerbungsunterlagen
  • schnelle Reaktion auf eingegangene Bewerbungen
  • Feedback ist auch bei nicht infrage kommenden Bewerbern unumgänglich
  • zeitgerechte Bekanntgabe des Vorstellungstermins (idealerweise mit Anfahrtsbeschreibung und Lageplan bei weitläufigen Gebäuden)
  • pünktlicher Beginn des Bewerbungsgespräches
  • angenehmes Gesprächsklima (ruhige Atmosphäre, Höflichkeit, Respekt, Angebot von Getränken)

Der höfliche Umgang sollte sich keinesfalls auf die späteren Mitarbeiter beschränken. So verdienen auch zum Vorstellungsgespräch eingeladene Bewerber, die das Unternehmen letztlich nicht auswählt, eine persönliche telefonische oder schriftliche Absage mit kurzer Begründung.

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