Die Gründungsbegeisterung in Deutschland hält unvermindert an. Viele junge Unternehmen aus dem IT- oder Technologiebereich schnellen wie Pilze aus dem Boden, doch nicht alle schaffen es, danach auch zu wachsen oder am Leben zu bleiben. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet aber nicht nur das zur Verfügung stehende Kapital, sondern auch die (Wo-)Manpower. Eigentlich gehören diese beiden Faktoren sogar dicht zusammen, denn Kapitalgeber wie etwa Venture Fonds entscheiden nicht nur aufgrund des vorgelegten Konzepts, sondern auch aufgrund des Personals im jeweiligen Unternehmen. Wer da punktet, erhält eher Geld als tolle Projekte mit mittelmäßiger Besetzung.

Der Wert von Human Capital in Start Ups

Bereits im Zuge der Gründung eines Unternehmens sollte ein solider HR Plan stehen, um sicherzustellen, dass jegliches Wachstum auch personell mitgegangen werden kann. Die Gründer selbst sollten natürlich im Idealfall schon diverse Fähigkeiten mitbringen, doch es spricht nichts dagegen, das Team um weitere Spezialisten zu erweitern, um das sogenannte Human Capital zu steigern. Gerade in der Anfangsphase, wenn es darum geht, Projekte und Produkte zu entwickeln und sich am Markt zu positionieren, braucht man starke Mitarbeiter in diesen Bereichen. Natürlich darf der HR Plan aber auch nicht ausufern. Wer gerade gegründet hat, braucht keinen aufgeblähten Mitarbeiterstamm und das erwartet auch keiner. Qualität ist ohnehin viel entscheidender als Quantität. Die meisten Start Ups nutzen vorhandene Netzwerke, um neues Personal zu bekommen. Entscheidend ist dabei das Timing. Wer sich selbst und seine neue Firma interessant macht, bekommt eher gute Leute und muss oft nicht einmal so arg tief in die Tasche greifen.

Die Wichtigkeit des Personals für Venture Kapital

Wenn ein junges Unternehmen eine Finanzspritze benötigt, dann kommen immer seltener die klassischen Kreditinstitute zum Einsatz. Risikokapital ist das Zauberwort. Die sogenannten Venture Kapital-Geber investieren oft hohe Summen in aussichtsreiche Projekte und sind dabei oft nicht so steif und borniert wie die Sparkassen-Berater um die Ecke. Im Gegenzug für das höhere Risiko fordern diese Geldgeber dann aber auch einiges – und zwar nicht nur Anteile an der Gesellschaft. Bevor ein Start Up auf diese Weise gefördert wird, muss der strategische Plan überzeugen, aber auch die Menschen, die dahinter stehen. Ein Team aus motivierten Gründern und Mitarbeitern, die mit Erfahrung, Ehrgeiz und Fachwissen aufwarten, ist Grundvoraussetzung, damit sich Risikokapitalgeber überhaupt an einen Tisch setzen. Wichtig sind dabei vor allem Teamspirit, Leistungswille und eine gewisse Leidenschaft für das Projektziel. Wer nur dabei ist, weil das monatliche Gehalt stimmt, wird auch bei fachlicher Eignung schnell zum Nachteil in Kapitalverhandlungen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Vor kurzem machte eine erstaunliche Nachricht die Runde, nach der das Start Up Unlimited E-Mails des Unternehmers Thomas Wos die stolze Summe von bis zu 30 Millionen Euro von einem amerikanischen Venture Kapital-Geber einsammeln durfte. Obwohl das Konzept – dynamische und simple Werkzeuge für werbespezifische Unternehmens-Mails – weder neu noch sonderlich innovativ ist, erhielt Wos mit seinem Team diese hohe Finanzierung. Einer der Hauptgründe dürfte bei dem Gründer selbst und auch der Auswahl seiner Mitarbeiter liegen. Thomas Wos gilt als zielstrebiger, erfahrener und dennoch hungriger Entrepreneur mit der gewissen Hands-On-Mentalität, die gerade bei Investoren aus dem US-amerikanischen Raum sehr beliebt ist. Wos, der nicht nur eigene Unternehmen mit zwei Dutzend Mitarbeitern führt, sondern auch andere Firmen berät und notfalls vor der Insolvenz rettet, weiß mit seiner Expertise zu überzeugen. Das sahen wohl auch die Investoren so, die dem Gründer offenbar zutrauen, Unlimited E-Mails trotz des eher unspektakulären Konzepts zu Höhenflügen verhelfen zu können.

businessman-1492562_1280Der Faktor Personal bei Unlimited E-Mails

Neben dem Gründer und Taktgeber Thomas Wos spielten bei der großzügigen Finanzierung des Projekts auch die weiteren Mitarbeiter eine tragende Rolle. So verfügt der Führungsstab von Wos neben dem Marketingexperten selbst noch über massig Know How im Vertrieb, in der technischen Entwicklung sowie im rechtlichen Bereich. Gerade letzterer ist bei Entwicklungen aus dem IT-Bereich besonders wichtig geworden, denn viele gute Ideen scheitern auch an der mangelnden Sicherheit und der Schwierigkeit, die eigenen Innovationen gegenüber Mitbewerbern zu schützen. Das dürfte dann auch einer der Hauptgründe sein, warum bislang vieles von dem 30 Millionen-Deal geheim geblieben ist. Auch Wos selbst hält sich lieber bedeckt und konzentriert sich mit seinem Team auf die bevorstehenden Aufgaben. Gut ein Drittel der Summe ist nämlich an Milestones gekoppelt, die erreicht werden wollen – auch dies ein typisches Gebaren von Risikokapitalgebern, die sobald als möglich Fortschritte sehen wollen.

Tipps zur Argumentation gegenüber Kapitalgebern

Wer mit seinem Team gegenüber Kapitalgebern punkten will, der sollte sich möglichst breit und in der Tiefe dennoch spezialisiert aufstellen. Je nach Produkt braucht es auf jeden Fall einen herausragenden Produktmanager, der im Zusammenspiel mit der Entwicklungsabteilung das Zielprodukt bis zur Perfektion entwickelt. Für Marketing und Vertrieb braucht es ebenso Spezialisten, die möglichst aus einer verwandten Branche kommen sollten, um entsprechende Zielgruppenkenntnisse mitzubringen. Nicht zuletzt muss aber auch die finanzstrategische Seite stimmen. Wer sich einen erfahrenen Geschäftsführer ins Boot holt, der beweist gegenüber Investoren, dass der betriebswirtschaftliche Bereich genauso ernst genommen wird wie alle anderen. Dann fehlt es eigentlich nur noch an Überzeugungskunst und kommunikativen Fähigkeiten, um einen finanzstarken Investor zu gewinnen.

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