In immer mehr Unternehmen wird es üblich, dass sich über alle Hierarchieebenen hinweg alle Mitarbeiter und Führungskräfte duzen. Das klassische „Sie“ scheint ausgedient zu haben. Dies macht sich auch zunehmend in Stellenanzeigen bemerkbar. Durchgesetzt hat sich das Du im Recruiting aber offenbar noch nicht ganz, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Studie: 120.000 Stellenanzeigen ausgewertet

Unter der Leitung der Unternehmensberater Dr. Manfred Böcker und Sascha Theisen wurde gemeinsam mit Textkernel eine Studie durchgeführt. Im Rahmen des Themas „Employer Telling: Edition Stellenanzeigen“ analysierten sie 120.000 Stellenanzeigen – mit einem angesichts des Trends überraschenden Ergebnis.

Die Forscher fanden heraus, dass in Stellenanzeigen zehnmal häufiger gesiezt wird als geduzt. Dabei gehen die Unternehmen sehr unterschiedlich an diese Thematik heran und sind teilweise sogar komplett inkonsistent.

Duzen über alle Zielgruppen hinweg

Gerade in jüngeren Unternehmen und Start-ups wie Zalando oder IKEA ist es üblich, dass alle Mitarbeiter von der operativen bis zur Führungsebene geduzt werden. Da ist es nur konsistent, dies dann auch bereits in der Stellenanzeige und im Vorstellungsgespräch zu tun. Denn wann wäre wohl der geeignete Zeitpunkt, um vom Sie zum Du zu wechseln?

Aber Vorsicht: Auf der Suche nach erfahreneren Mitarbeitern oder auch bei älteren Bewerbern kann das durchgängige Du leicht verwirrend wirken. Möglicherweise fühlen sie sich davon weniger angesprochen, weil sie hinter dem Du die Suche nach einem Young Professional vermuten. Hier macht es Sinn, mit offenen Karten zu spielen und die Duz-Kultur direkt anzusprechen.

Tipp: Wer A sagt, muss auch B sagen – wenn Sie Ihre Bewerber in der Stellenausschreibung duzen, müssen Sie das auch im Vorstellungsgespräch tun. Haben Sie Schwierigkeiten damit, ältere, unbekannte Personen zu duzen und wechseln dann plötzlich wieder zum Sie, sollten Sie besser auch in der Stellenanzeige beim Sie bleiben.

Mal Sie, mal Du – angepasst an die Zielgruppe

Eine häufig gewählte Option ist es, die Zielgruppen des Recruitings unterschiedlich anzusprechen. So ist es beispielsweise in vielen Unternehmen, z. B. bei der Deutschen Bahn und bei Deichmann, üblich, dass die Auszubildenden mit Du angesprochen werden. Auch bei Praktikanten und Trainees ist das oftmals gängige Praxis. Bei Absolventen, Young Professionals und erfahrenen Spezialisten und Führungskräften hingegen setzt man auf das Sie. Dies hat den Vorteil, dass sich jede Zielgruppe individuell angesprochen fühlt.

Alle Bewerber siezen

Alle Bewerber zu siezen und das mögliche Du später den Kollegen zu überlassen, ist der gängige Weg, der bereits seit vielen Jahren praktiziert wird. Gerade in Traditionsunternehmen und jenen, die auf Professionalität und Geradlinigkeit Wert legen, wie Tchibo oder die Steigenberger Hotels, setzt man auf dieses Konzept. Hierbei wird üblicherweise auch intern gesiezt. Für den Bewerber kann das Sie in der Stellenanzeige darauf hindeuten, dass im Unternehmen Hierarchien bestehen, deren Einhaltung wichtig ist.

Kreuz und quer, wie’s beliebt

Hinzu kommen schließlich noch jene Arbeitgeber, die sich nicht auf eine Linie einigen können und deshalb völlig ohne erkennbare Regel mal duzen, mal siezen und manchmal sogar beides in einer Stellenanzeige tun. Dies ist jedoch die ungünstigste Lösung, da sie für den Bewerber äußerst inkonsequent wirkt. Er kann daraus nichts ablesen und kann so nicht herausfinden, wie es um die Unternehmenskultur bestellt sein könnte.

Duzen oder Siezen – die Unternehmenskultur gibt den Ausschlag

Wenn Sie aktuell noch überlegen, wie Sie es mit der Ansprache des Lesers in Ihren Stellenanzeigen halten wollen, brauchen Sie sich nur die gelebte Kultur im Unternehmen ansehen. Geht es in Ihrem Betrieb eher förmlich zu, man legt Wert auf Hierarchien, Dresscode und Benehmen? Dann sollten Sie besser konsequent beim Sie bleiben. Sind die Hierarchien hingegen flach und offen, man unterhält sich auf Augenhöhe und duzt sich untereinander, ist die Variante mit dem durchgängigen Du keine schlechte Idee. Für alle anderen Betriebe bietet sich die Mischform an.

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