Es gibt viele Berufe, in denen die eigentliche fachliche Qualifikation kaum eine Rolle spielt – auch eine berufsfremde Person kann sich in den jeweiligen Bereich einarbeiten und sich das nötige Fachwissen erarbeiten. Doch gerade in größeren Unternehmen werden Quereinsteiger meist nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Dabei wären sie in vielen Fällen eine sinnvolle Option.

Quereinsteiger: Ein neuer Beruf ohne Vorkenntnisse

Bei Quereinsteigern denken die meisten Menschen in erster Linie an Berufe, für die lediglich eine Anlernung erforderlich ist, vom Maschinenbediener bis hin zur Reinigungsfachkraft. Auch im kreativen Bereich, in dem die klassische Karriere ohnehin eher wenig verbreitet ist, spricht man vom Quereinsteiger.

Tatsächlich reicht die Definition aber noch viel weiter: Jeder Mensch, der in einen Beruf wechseln möchte, den er nicht erlernt hat, kann als Quereinsteiger angesehen werden. Dies betrifft den Spezialisten, der ohne vorheriges Studium ins Management wechselt, die Bürokauffrau, die ihre Leidenschaft für das Marketing entdeckt oder den ehemaligen Kfz-Mechaniker, der plötzlich seiner Begeisterung für die Altenpflege nachgehen möchte.

Auf den ersten Blick scheint dies für Arbeitgeber nicht besonders attraktiv zu sein. Immerhin ist mit einer erhöhten Einarbeitungszeit zu rechnen und im Vorfeld ist nicht abzusehen, ob die fachlichen Defizite adäquat aufgeholt werden können. Andererseits bringen Quereinsteiger persönliche Eigenschaften mit sich, die sie von anderen Arbeitnehmern unterscheiden:

  • hohe Eigenmotivation
  • der Drang, sich selbst zu beweisen
  • fachfremde Kompetenzen, die sie zusätzlich einbringen können
  • ein unvoreingenommener Blickwinkel auf das Arbeitsfeld
  • Zielstrebigkeit

Chancen von Quereinsteigern für Arbeitgeber

Quereinsteiger bedeuten zwar zunächst einen erhöhten Aufwand. Im Nachhinein betrachtet liefern sie dem Unternehmen aber auch eine Vielzahl von Vorteilen:

  • Durch branchenfremde Einblicke können sie die Innovationskraft des Unternehmens erhöhen.
  • Sie können die Veränderung der internen Organisation und der Unternehmenskultur vorantreiben und ein Umdenken einläuten.
  • Die Motivation der Belegschaft kann steigen.
  • Die Einstellung von Quereinsteigern kann als Teil des Diversity Managements angesehen werden.
  • Quereinsteiger sind meist zufriedener bei der Arbeit, weil sie zum einen froh sind über die Chance und zum anderen tun können, was sie möchten.

In sehr vielen Berufen kommt es weniger auf die fachlichen Kenntnisse an, sondern mehr auf die persönlichen Fähigkeiten und Erfahrungen. Schlüsselqualifikationen wie eine strukturierte Arbeitsweise, Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und Eigenmotivation gewinnen stetig an Erfahrungen und verdrängen die reine Orientierung an fachlichen Qualifikationen zunehmend auf den zweiten Platz.

Umdenken erforderlich: Quereinsteiger fallen oft durchs Raster

Das größte Problem ist heute, dass in den meisten Unternehmen durch spezielle Software und moderne Auswahlverfahren dafür gesorgt wird, dass Quereinsteiger von vornherein nicht in Betracht gezogen werden. Da sie nicht die im System vorgegebenen Qualifikationskriterien erfüllen, schaffen sie es gar nicht erst in die engere Auswahl. Das persönliche Kennenlernen, das zwingend notwendig wäre, um einen Personaler von sich zu überzeugen, findet für Berufswechsler deshalb meist gar nicht erst statt.

Um an diesem Umstand etwas zu ändern, wäre ein grundsätzliches Umdenken erforderlich. Personaler müssten auch Bewerber in Betracht ziehen, die die formale Qualifikation nicht mitbringen, dafür aber vielleicht andere Vorzüge hätten. Doch die Wirklichkeit ist meist noch weit von diesem Ideal entfernt. Im Haufe-Interview verrät Beraterin Sylvia Knecht: „Ich höre oft von Verantwortlichen, dass sie sich dann doch für Quereinsteiger entschieden haben, weil sich sonst niemand beworben hat. Was für ein Armutszeugnis!“ Solange Quereinsteiger als Notnagel, als letzter Ausweg vor der Nichtbesetzung einer Stelle gesehen werden, wird sich an der aktuellen Rekrutierungspraxis nichts ändern – und damit viel Potenzial nicht ausgeschöpft werden, das Arbeitgeber und Arbeitnehmer tatsächlich weiterbringen könnte.

Whitepaper zum Thema