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Cheflose Unternehmen: Wenn Mitarbeiter gemeinschaftlich entscheiden

Vom Vorgesetzten zum gleichrangigen Teammitglied, dieser Weg ist für so manchen Chef undenkbar. Andere Betriebe schlagen wiederum bewusst diesen Pfad ein, um die herkömmliche Hierarchie aufzulösen und ihre Mitarbeiter zu gleichberechtigten Entscheidungsträgern zu machen. Worin liegen die Chancen eines Unternehmens ohne Chef und mit welchen Risiken ist ein solches Unterfangen verbunden? Mit diesen Fragen haben sich bereits mehrere Firmen in der Praxis auseinandergesetzt.

Das Modell: Gemeinschaftliche Entscheidungen und Selbstbestimmung

Unternehmen, die ohne Chefs im klassischen Sinne auskommen, verzichten auf hierarchische Entscheidungs- und Kontrollstrukturen. Mit der Auflösung der Unternehmenshierarchie geben die Geschäftsführer ihre Entscheidungskompetenz ab und verlagern sie auf die Mitarbeiter. Es wird eine Art demokratisches System eingeführt, in dem die Beschäftigten wichtige Entscheidungen gemeinschaftlich treffen und somit für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich sind. Freilich ist es nicht möglich, jede offene Frage im Team zu behandeln, zumal dies zu lange dauern würde. Deshalb beruht dieses Modell auf einem gewissen Maß an Selbstbestimmung. Kleinere Entscheidungen, die den Unternehmensalltag betreffen, werden daher von den jeweiligen Mitarbeitern getroffen, die für diesen Bereich des Tagesgeschäfts zuständig sind. So gesehen nehmen alle Teammitglieder bestimmte Rollen ein, deren Aufgaben sie selbst organisieren und erledigen. Zusätzlich finden in der Regel einmal wöchentlich Meetings statt, in denen wichtige Themen in der Gruppe diskutiert und entschieden werden.

Die Chancen: Kreativität und kollektive Intelligenz

Es gibt empirische Studien, die einem Unternehmen ohne strikte Hierarchie bessere Erfolgschancen auf dem globalen Markt einräumen. Demnach können diese Firmen die Qualität ihrer Produkte steigern, ihre Absatzmengen im Exportgeschäft erhöhen und den Profit ihres Unternehmens langfristig ausbauen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Mitarbeiter ihre Kreativität besser ausleben können, wenn sie nicht vom Chef kontrolliert werden. So gesehen haben innovative Ideen einen besseren Nährboden, um sich zu entfalten. Außerdem ist für die Mitarbeiter die Motivation höher, wenn sie wissen, dass die ihre Einfälle direkt einbringen und selbst umsetzen können. Durch die gemeinschaftliche Entscheidungsfindung im Team greift das Unternehmen auf eine kollektive Intelligenz zurück. Dieses Modell bringt auch Vorteile für die ehemaligen Chefs mit sich. Sie haben durch die Abgabe der Entscheidungs- und Kontrollfunktionen mehr Zeit, um ihre Geschäftskontakte zu pflegen.

Die Risiken: Unsicherheiten und Meinungsverschiedenheiten

Ein führerloses Unternehmen kann nur funktionieren, wenn sich die Mitarbeiter mit diesem System identifizieren und Verantwortung übernehmen. Beschäftigte, die führen möchten und Managementfunktionen anstreben, können hier keine Karriere machen. Es besteht daher die Gefahr, dass kompetente Mitarbeiter die Firma verlassen, weil sie keine Aufstiegschancen haben. Als Ersatz für diese fehlenden Beförderungsmöglichkeiten kommen andere Anreizmittel in Betracht:

  • Gehälter, die über dem Durchschnitt liegen
  • flexible Arbeitszeitgestaltung wie zum Beispiel eine verkürzte Arbeitswoche mit vier Tagen
  • Möglichkeit, sich für längere Zeit Urlaub zu nehmen

Durch die fehlende Führung können bei den Mitarbeitern aber auch Unsicherheiten auftreten, weil sie nicht wissen, wie sie handeln sollen. Außerdem kann es zu Meinungsverschiedenheiten und internen Kämpfen innerhalb des Mitarbeiterteams kommen. Da Entscheidungen teilweise gemeinschaftlich zu treffen sind, kann sich die Dauer bis zur Entscheidungsfindung verlängern.

Cheflose Unternehmen in der Praxis

Es stellt sich die Frage, ob das cheflose Unternehmensmodell nur in bestimmten Branchen funktionieren kann. Mittlerweile gibt es einige Firmen, die ohne Chefs erfolgreich bestehen. Dazu gehören beispielsweise das Reiseportal Traum-Ferienwohnungen, die deutsche Managementberatung borisgloger, das Schweizer Internetunternehmen Liip und die junge Innovationsberatung Innoki. Diese Liste ist nicht vollständig, zeigt aber, dass ein Unternehmensmodell ohne Chef in unterschiedlichen Sparten funktionieren kann.

2018-04-20T00:25:30+00:00 19. November 2017|Arbeitsrecht|0 Kommentare

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