Passive Kandidaten stehen bei einem Unternehmen fest unter Vertrag und suchen nicht aktiv nach einem neuen Job. Wenn diese Menschen ein für sie passendes Angebot erhalten, sind sie jedoch oft bereit, den Arbeitsplatz zu wechseln. Vielfach handelt es sich um Arbeitnehmer, die im mittleren oder späten Teil ihrer Berufslaufbahn stehen. Für Arbeitgeber sind sie wegen ihres Ehrgeizes, der Erfahrung und der Loyalität attraktiv. Doch wie sollen sich Unternehmen verhalten, wenn sie mit einem passiven Kandidaten ein Telefoninterview führen?

Richtige Rahmenbedingungen schaffen

Laut Gallup Engagement Index 2018 verspüren knapp 71 Prozent der Mitarbeiter nur eine geringe Bindung zum Unternehmen. Ein Großteil davon dürfte in Hinblick auf einen Arbeitsplatzwechsel Gesprächsbereitschaft zeigen, sofern die richtigen Rahmenbedingungen herrschen. Vor allem mit diesen Faktoren können Unternehmen bei passiven Kandidaten punkten:

  • attraktive Vergütung
  • harmonischere Work-Life-Balance als bisher
  • neue Herausforderungen
  • Karrierechancen
  • Fördermöglichkeiten

Im Telefoninterview mit passiven Kandidaten helfen diese sechs Tipps weiter:

Tipp 1: Perfektes Arbeitsumfeld definieren

Bei passiven Kandidaten ist eine durchdachte Fragestellung sehr wichtig, weil diese Arbeitnehmer auf eine zu aktive Vorgehensweise ablehnend reagieren. Es bietet sich an, diese Kandidaten nach der für sie perfekten Arbeitsumgebung zu fragen, und damit eine positive Atmosphäre zu erzeugen. Arbeitgeber können sich nach dem Traumjob des Gesprächspartners erkundigen. Mit dieser Fragestellung klären sie ab, ob der jeweilige Kandidat zum Unternehmen passen könnte, ohne ihn mit Fragen über seine eigene Person zu vergrämen.

Tipp 2: Schwerpunkte der Tätigkeit ansprechen

Die typische Standardfrage, warum das Unternehmen den jeweiligen Bewerber einstellen sollte, ist bei passiven Kandidaten unangebracht. Das Ziel sollte vielmehr darin bestehen, an der Tätigkeit des Kandidaten Interesse zu zeigen, ohne aufdringlich zu wirken. Arbeitgeber können den passiven Kandidaten beispielsweise danach fragen, welche Schwerpunkte er in einer bestimmten Position setzen würde, und dabei abklären, ob diese Antwort zur offenen Stelle passt.

Tipp 3: Nach bevorzugten Aufgaben fragen

Die Frage „Was sind Ihre Stärken?“ kommt bei einem Telefoninterview mit einem passiven Kandidaten nicht gut an, weil sie den Eindruck erweckt, dass der Arbeitgeber sein Gegenüber ausfragen möchte. Unternehmen können diese Frage umgehen, indem sie den Gesprächspartner danach fragen, welche Aufgaben er gerne ausführt. Dieser Fragestellung liegt die Annahme zugrunde, dass passive Kandidaten jene Aufgaben, die sehr gerne machen, besonders gut erledigen.

Tipp 4: Frage nach den Schwächen umschiffen

Die standardmäßige Frage nach den Schwächen hat einen negativen Beigeschmack und ist deshalb im Gespräch mit einem passiven Kandidaten, den man erst von einem Arbeitsplatzwechsel überzeugen muss, kontraproduktiv. Stattdessen können Arbeitgeber diesen Punkt umschiffen, indem sie den Gesprächspartner danach fragen, welche Aufgaben er nicht so gerne ausführt. Das ist diplomatischer, als den Kandidaten direkt auf die Schwächen anzusprechen.

Tipp 5: Nächster Karriereschritt

Da passive Kandidaten nicht aktiv auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind, ist es nicht angebracht, sie zu fragen, warum sie den jetzigen Job aufgeben möchten. Hier gilt es zu bedenken, dass bei diesem Gesprächspartner die Bereitschaft zum Arbeitsplatzwechsel erst geweckt werden muss. Daher ist es sinnvoller, die bisherigen Karrierestationen positiv hervorzuheben. Damit hat der potenzielle Arbeitgeber den richtigen Einstieg, um sich nach dem nächsten Karriereschritt zu erkundigen und eine mögliche Weiterentwicklung anzusprechen.

Tipp 6: Unternehmen ansprechen

Wenn es die Situation zulässt, kann der HR-Spezialist Informationen zum Unternehmen weitergeben. Außerdem ist es sinnvoll, einen passiven Kandidaten nach seinen Vorlieben hinsichtlich Größe und Branche zu befragen.

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