Indien ist in Hinblick auf die Zuwanderung für Deutschland ein vielversprechendes Herkunftsland. Das liegt nicht nur an der zweitgrößten Bevölkerung weltweit, sondern auch an der hohen Dichte an jungen Einwohnern. Rund 250 Millionen Inder gehören zur Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Darüber hinaus hatten im Jahr 2020 beinahe 45 Millionen der 25- bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss. Auch die rund 40 Millionen Studenten stellen ein großes Potenzial dar, wenn es um die Rekrutierung von Fachkräften geht.

Qualifizierte indische Fachkräfte

Dass Inder in Hinblick auf den Fachkräftemangel für deutsche Unternehmen gute Ansprechpartner sind, belegen auch die Zahlen. 18,5 Prozent der Drittstaatenangehörigen, die im Jahr 2020 einen Aufenthaltstitel für qualifizierte Fachkräfte bekommen haben, stammen aus Indien. Aufgrund des hohen Qualifikationsniveaus sind indische Arbeitskräfte insbesondere für Jobs interessant, die einen Hochschulabschluss erfordern.

MINT-Bereich: Inder als Experten und Spezialisten

Vor allem für die Schlüsselfunktionen der Mint-Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gibt es in Indien einen großen Pool an potenziellen Bewerbern. Fast 58 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Indien übten im März 2021 eine Experten- oder Spezialistentätigkeit in Deutschland aus, die üblicherweise einen Hochschulabschluss oder einen Fortbildungsabschluss wie einen Meistertitel erfordert.

Deutschland als Zuwanderungsland

Deutsche Unternehmen stehen bei der Anwerbung indischer Fachkräfte möglichen Konkurrenten aus dem Vereinigten Königreich und den USA gegenüber. Die angelsächsischen Länder sind für Inder vor allem aufgrund der englischen Sprache und der bereits bestehenden indischen Gemeinschaften attraktiv.

Dennoch konnte sich Deutschland in den vergangenen Jahren zunehmend als interessantes Einwanderungsland für Inder positionieren. So ist die Anzahl der indischen Zuwanderer in Deutschland von 48.000 im Jahr 2010 auf 151.000 im Jahr 2020 gestiegen.

Dies liegt an den guten Arbeitsperspektiven und den Erleichterungen bei der Einwanderung für hochqualifizierte Erwerbstätige. Außerdem bietet das Portal „Make it in Germany“ für interessierte Bewerber aus dem Ausland Informationen über Jobs, Visum und Leben in Deutschland. Faktoren wie ein angepasstes Zuwanderungsrecht, schnellere Abläufe und weniger Bürokratie würden die Zuwanderung von indischen Fachkräften weiter forcieren.

Herausforderungen für deutsche Unternehmen

Gleichzeitig stehen auch deutsche Unternehmen, die Arbeitskräfte aus Indien einstellen möchten, vor Herausforderungen, zumal das indische Bildungssystem sehr komplex ist, die Standards für Bewerbungen anders sind und sprachliche Barrieren bestehen. Hilfestellungen kann hier das German Indian Startup Exchange Program (GINSEP) bieten. Für die Beurteilung indischer Lebensläufe gibt es eine eigens eingerichtete Bildungsdatenbank.

Einige Unternehmen sind nicht nur wegen der Bewertungsschwierigkeiten der indischen Abschlüsse und der Lebensläufe, sondern auch wegen der kulturellen Unterschiede unsicher, ob sie Bewerber aus Indien in den Auswahlprozess einbinden sollen. Im Idealfall halten sie die Kommunikation im Bewerbungsprozess möglichst kurz, um diese Kandidaten nicht zu verwirren. Wenn Unternehmen indische Arbeitskräfte einstellen, können sie diese bei der Eingliederung unterstützen, indem sie sie über die Wissensplattform meetra und einen Karriereguide informieren.

Whitepaper zum Thema